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Im Jahr 2023 wurde dem BBN-Esens (Bienen, Blüten, Naturräume im Alten Amt Esens e.V.) eine landwirtschaftliche Nutzfläche angeboten. Die Eigentümerin möchte eine Fläche von 18.000 m² ökologisch aufwerten. In Vergangenheit wurde die Fläche von einem Landwirt nach guter fachlicher Praxis als Ackerland genutzt.

Der BBN-Esens hat sich dieser Herausforderung gestellt und ein Konzept entwickelt.

Bei den Mitgliedern gab es jedoch auch Vorbehalte, die eine Umsetzung des Konzeptes in Frage stellten.

So wurde 2024 ein eigenständiger Verein gegründet.

Insektenreich am Tonnenkamper Weg in Esens e.V. (IATWE e.V.)

Begründung für das Projekt:

  • Die Bundesrepublik Deutschland umfasst eine Fläche von 35,7 Mill. ha.
  • Die landwirtschaftliche Nutzfläche davon umfasst 16,6 Mill. ha.
  • Die Waldfläche davon umfasst 10,7 Mill. ha.
  • Die unter Naturschutz stehenden Fläche beträgt 1,1 Mill. ha.
  • Der Insektengarten des BBN-Esens umfasst ca. 1.000 m².
  • Die beplante landw. Nutzfläche umfasst 18.000 m² und entspricht einer, in der ostfriesischen Geest, typischen Gegebenheit. Die Ackerfläche ist mit einer für die ostfriesische Geest typischen Wallhecke umsäumt. Der Wall ist nach Süden und Westen mit zum Teil großen Eichenbäumen und Weißdorn besetzt. Da sich die Wallhecken unabhängig vom Eigentümer der jeweils angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen fast endlos fortsetzen, finden Insekten eine ideale Lebensgrundlage.

Angeregt durch ein Agroforstsystem der Organisation DeFAF (Deutscher Fachverband für Agroforstwirtschaft) soll eine grundlegend veränderte Landnutzung erfolgen. Wo in Vergangenheit durch eine hohe Intensität der Landnutzung großflächige Monokulturen entstanden sind, wurden die Lebensräume vieler Insekten deutlich eingeschränkt. Der Verein IATWE e.V. hat sich zur Aufgabe gemacht, diese Entwicklung in Frage zu stellen, ohne die wirtschaftliche Nutzung der Kulturlandschaft zu verhindern.

  • Im Einvernehmen mit der Eigentümerin sollen 6.000 m² mit Gehölz besetzt und 12.000 m² zur Erzeugung von Tiernahrung als artenreiches Grünland gestaltet werden.
  • Die Blühwiese soll mit einer späten Mahd im Sommer und in Herbst zur Futtergewinnung für Rinder genutzt werden. Ohne die Düngung mit stickstoffhaltigem Mineraldünger wird so eine artenreiche Flora gefördert.
  • Der Gehölzanteil der Fläche wird durch die Auswahl der Pflanzen ebenfalls der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung zugeführt.
  • Schnellwachsende Baumarten (z.B. Weiden) sollen in kurzen Zeitabständen als Hackschnitzel zur Energiegewinnung genutzt werden.
  • Verschiedene Obstbäume dienen der regionalen Versorgung mit Früchten und Beerensträucher runden das jahreszeitliche Angebot ab.
  • Als dritte Komponente werden Werthölzer gepflanzt, die als langfristige Wertanlage mit forstwirtschaftlichem Knowhow das Anbauspektrum abrunden.
  • Bei der Auswahl der verschiedenen Pflanzen hat der Verein IATWE e.V. immer wieder ein Augenmerk auf die Fluginsekten gelenkt. Durch die Vielfalt des gesamten Pflanzenspektrums soll eine ganzjährige Versorgung vieler Insektenarten sichergestellt werden.
  • Etwa 60% der Insekten haben ihre Nester im Boden. Eine mechanische Bodenbearbeitung ist für die Tiere zu bestimmten Jahreszeiten schädlich.
  • Während die Flächen mit Gehölzen keine Bodenbearbeitung erfahren, wird das artenreiche Grünland in zeitlichen Abständen kultiviert, sobald dominierende Pflanzenarten sich invasiv vermehren. Da diese Maßnahmen nur partiell und in großen Zeitabständen angewendet werden sollen, wird eine nachhaltige Beeinträchtigung der Bodenlebewesen vermieden.
  • Das Ziel der beteiligten Imker*innen ist die Etablierung einer Reihe Bienenvölker, um mit dem zu erwartenden Bienenhonig den Frühstückstisch vieler Besucher im Insektenreich zu bereichern. In den angepflanzten Bäumen werden Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse angeboten. Ein Tümpel soll den Reptilien, Amphibien und Libellen als wertvolle Oase dienen.
  • Das IATWE e.V. plant eine unablässige Selbstdarstellung/Öffentlichkeitsarbeit. Die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen mit Publikumsverkehr, wie Basare, Gewerbeschauen, Vereinsveranstaltungen und einiges mehr dienen der Verbreitung unserer Idee die Natur sichtbar zu machen.
  • Das Ziel soll eine Akzeptanz einer veränderten Landnutzung von Naturschützern, Nutzern der Kulturlandschaften und Bewohner urbaner Lebensräume sein.
  • Mit dem geballten Fachwissen über Insekten und Insektennährpflanzen wird ein außerschulischer Lehrort für Kindergärten und schulische Einrichtungen geschaffen. Durch Vorträge und praktische Anschauung erfolgt eine erhöhte Wahrnehmung der Besucher*innen. Durch die vor geschilderten Aktivitäten erleben die Initiatoren mit der Darstellung praktizierter Natur- und Umweltmaßnahmen eine hohe Wertschätzung in der Bevölkerung.
  • Die beteiligten Personen des IATWE e.V. wollen mit der Einrichtung des Insektenreiches, am Rande eines städtisch geprägten Umfeldes, das Potential für den Umwelt- und Naturschutz sichtbar und erlernbar machen.

VERGLEICH ZUM BBN-ESENS E.V.

Die Mitglieder des Vereins: „Bienen Blüten, Naturräume im Alten Amt Esens e.V.“ sind seit 2009 aktiv. Waren es im Anfang die Honigbienen, die den Imkern immer wiederkehrend den Honig liefern, so wurde den Beteiligten bewusst, sie haben eine Verpflichtung den Bienen eine Lebens- und Nahrungsgrundlage zu bieten.

Während die Landwirte unter dem beteiligten Personenkreis bereits auf insgesamt 7.000 m² landwirtschaftlicher Nutzfläche Dauerkulturen mit blühenden Nutzpflanzen und Obstwiesen angelegt hatten, wurde der Gedanke einer insektenfreundlichen Gartenanlage geboren.

Mit der Gründung des BBN-Esens e.V. im Jahre 2017 gingen Landschaftsgärtner, Pflanzenzüchter, Landwirte und leidenschaftliche Naturliebhaber an den Start. Die Evangelische Kirchengemeinde bot den Insektenfreunden ein 1.000 m² großes Areal auf dem Esenser Friedhof zur Nutzung an. Unter der finanziellen und praktischen Mithilfe verschiedener Organisationen und Firmen entstand in einem heftigen Kraftakt der BBN-Insektengarten.

Die Frage lautet: Können die Menschen in den städtischen und ländlichen Räumen dem Rückgang der Insekten durch ihr Handeln entgegenwirken? Die Antwort lautet: Wenn die Menschen ihr Handeln kritisch hinterfragen, haben sie unendliche Möglichkeiten den Insekten eine Lebensgrundlage zu schaffen bzw. zu erhalten. Der Insektengarten des BBN-Esens zeigt es beispielhaft.

ZIELE DES PROJEKTES BEIM IATWE E.V.

  • Der IATWE e.V. spricht Personen an, die sich mit einer veränderten Landnutzung zur Nahrungsmittelerzeugung befassen.
  • Der IATWE e.V. spricht schulische Einrichtungen an, um im Insektenreich ein Naturerlebnis für junge Menschen zu demonstrieren. Neben der theoretischen Erfahrung soll hier auch ein praktischer Arbeitseinsatz für viele Teilnehmende ein sehr grundlegendes Erlebnis werden.

MASSNAHMENPLANUNG

Nachdem die Arbeitsgruppe in 2024 einen eigenständigen Verein ins Leben gerufen hat (Insektenreich am Tonnenkamper Weg in Esens e.V.), konnten folgende Schritte eingeleitet werden.

  • Zwischen der Eigentümerin der landwirtschaftlichen Nutzfläche am Tonnenkamper Weg in Esens und dem IATWE e.V. wurde ein Pachtvertrag geschlossen.
  • Der IATWE e.V. erarbeitete ein Gestaltungskonzept für das Insektenreich (siehe Anlagen).

ARBEITSSCHRITTE ZUR PROJEKTGESTALTUNG (ZEITSCHIENE)

  • 1. Schritt: Pflege der vorhandenen Büsche und Bäume auf den Wallhecken nach den Vorgaben der Unteren Naturschutzbehörde (Februar 2025).
  • 2. Schritt: Anpflanzung von Büschen und Bäumen auf den Wallhecken nach den Vorgaben der Unteren Naturschutzbehörde. (November/Dezember 2025).
  • 3. Schritt: Bodenbearbeitung einer 12.000 m² Blühwiese (April – August 2025).
  • 4. Schritt: Aussaat einer mehrjährigen Blühmischung auf 12.000 m² (August – September 2025).
  • 5. Schritt: Anpflanzung von verschiedenen Weidensorten am Fuße der nördlichen Wallhecke (April 2026).
  • 6. Schritt: Anlage eines Wassertümpels (April 2026).
  • 7. Schritt: Wasseranschluss an das öffentliche Wassernetz der OOWV (März 2026).
  • 8. Schritt: Anpflanzung von verschiedenen Baumarten (Werthölzer) (November2026).
  • 9. Schritt: Anpflanzung von verschiedenen Obstsorten (November 2025).
  • 10. Schritt: Installation einer Tropfenberegnung (Dezember 2026).
  • 11. Schritt: Anpflanzung von verschiedenen Beerensträuchern (November 2025).
  • 12. Schritt: Anlage eines Gemüsegartens mit einer individuellen Gestaltung und Anbau von beliebigen Gemüsesorten (2026).
  • 13. Schritt: Aufstellung von 10 Bienenstöcken (2027).

NACHHALTIGKEIT

Die Anlage und Unterhaltung eines Insektenreiches soll viele Menschen emotional berühren und ein Verantwortungsbewusstsein für das eigene Umfeld wachrufen. Da viele Menschen sich in einer technischen, im Wesentlichen naturfeindlichen Umgebung aufhalten, ist hier die Sensibilität und der Zugang zu natürlichen Vorgängen herabgesetzt. Der Verein IATWE e.V. sieht seine Aufgabe in der Sensibilisierung der Bevölkerung, zurück zu den essentiellen Zusammenhängen in der Natur.

Die Nutzungsvereinbarung mit der Grundstückseigentümerin für die Fläche erstreckt sich über 5 Jahre und wird nach Ablauf dieser Frist automatisch jährlich verlängert. Die geplanten Maßnahmen für die Anlage und Pflege des Insektenreiches und die dauerhafte Qualität der beweglichen Sachanlagen sind auf eine unbegrenzte Nutzungsdauer angelegt.

Der IATWE e.V. vereinbart mit der Grundstückseigentümerin ein jährlich wiederkehrende

Evaluierung, da mit den geplanten Anpflanzungen des IATWE e.V. eine erhebliche Veränderung der Landnutzung einhergehen.